Apfelbaum
Apfelbaum

Und Gott der HERR ließ aufwachsen aus der Erde allerlei Bäume, verlockend anzusehen und gut zu essen.

1. Mose 2,9

1. Botanik

 

Indizien sprechen dafür, dass die sehr alte Sorte des Holzapfels (Malus sylvestris) auch in Israel verbreitet war. Bei Ausgrabungen in Kadesch-Barnea wurden einige gut erhaltene Exemplare aus dem 9. Jh. v. Chr. gefunden. Wir haben deshalb im Bibelgarten der Aegidienkirche diese Sorte gepflanzt. Vermmutlich kam der Apfelbaum etwa 4000 v. Chr. von Iran und Armenien aus nach Israel.

 

Der Apfelbaum kann eine Höhe von 8-12 m erreichen, bildet weiße Blüten aus, die in Büscheln zusammenstehen. Die Frucht des Holzapfels ist 3-6 cm groß und hat eine rundliche Kernfrucht in grüner oder rötlicher Schale. Wie in Europa haben sich auch im Nahen Osten Hunderte von Sorten entwickelt.

 

2. Bibel

 

In der Bibel kommt im Hebräischen das Wort תַּפּוּחַ tappûaḥ („der Duftende“) vor. Es wird weithin mit Apfel bzw. Apfelbaum übersetzt. Für diese Deutung sprechen auch verwandte ägyptische wie arabische Bezeichnungen, so z.B. im Arabscihen "tuffah" („Apfelbaum“).

Der hebräische Begriff ist sechsmal in der Bedeutung Apfel / Apfelbaum zu finden, wobei die Häufung im Hohen Lied auffällt

Der Apfelbaum als Kulturpflanze

 

Nach Joel 1,12 werden die Apfelbäume wie die anderen Kulturbäume einer Heuschreckenplage zum Opfer fallen; auch Hhld 2,3 stellt den Apfelbaum als Kulturpflanze dem unwirtlichen Wald entgegen. „Wie ein Apfelbaum unter den Bäumen des Waldes, so ist mein Freund unter den Jünglingen. Unter seinem Schatten zu sitzen begehre ich, und seine Frucht ist meinem Gaumen süß.“

Der Duft und Geschmack des Apfels als Symbol und Stimulanz für Liebende

In einer Sammlung von Liebesliedern wird der belebende Geschmack bzw. der Duft der Frucht hervorgehoben: „Erquickt mich mit Traubenkuchen, labt mich mit Äpfeln; denn ich bin krank vor Liebe“ (Hld 2,5). Hld 7,9 nennt den Duft der Äpfel als Bild für den Atem der Liebsten: „Lass den Duft deines Atems sein wie Äpfel“. Hinter diesem Vergleich steht die Vorstellung, dass im alten Orient Äpfel als Früchte galten, die die Liebe erregen.

Hl 8,5 „Wer ist sie, die heraufsteigt aus der Wüste, an ihren Freund gelehnt? Unter dem Apfelbaum weckte ich dich, wo deine Mutter dich empfing, wo in Wehen kam, die dich gebar.“

In Spr 25,11 wird das Wort zur rechten Zeit mit „goldenen Äpfeln auf silbernen Schalen“ verglichen, ein Bild, das die Köstlichkeit der Frucht mit der Kostbarkeit der Edelmetalle verbindet.

Städtename / Eigename  „Tappuach“

Daneben ist hebr. תַּפּוּחַ tappûaḥ auch als Orts- und Eigenname belegt (Jos 12,17; Jos 15,34; Jos 16,8 und 1Chr 2,43), was auf die Popularität und Verbreitung von Äpfeln weist.

3. Wirkungsgeschichte

Vielen ist der Apfel bekannt aus der Paradiesgeschichte, wonach Eva und Adam von der Schlange versucht wurden, die verbotene Frucht zu essen. Dennoch kommt der Apfel bzw. der Apfelbaum in der Paradieserzählung als Begriff nicht explizit vor. In der Paradiesgeschichte ist nur vom „Baum der Erkenntnis“ die Rede und von der „Frucht“ des Baumes die Rede (1Mo 2,9: „Und Gott der HERR ließ aufwachsen aus der Erde allerlei Bäume, verlockend anzusehen und gut zu essen, und den Baum des Lebens mitten im Garten und den Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen“ und 1. Mose 3, 6: „Und die Frau sah, dass von dem Baum gut zu essen wäre und dass er eine Lust für die Augen wäre und verlockend, weil er klug machte. Und sie nahm von seiner Frucht und aß und gab ihrem Mann, der bei ihr war, auch davon und er aß“).

 

Weil der Apfel(baum)
 

  • auch in Europa eine schon weit verbreitete Frucht war,

  • weil es im Lateinischen begrifflich eine Nähe zum Bösen gibt (malus = der Apfel / malus (adj.) = böse),

  • weil es sich bei dem Baum im Paradies um den „Baum der Erkenntnis des Guten und des Bösen“ handelte,

hat sich die Vorstellung etabliert, Eva hätte im Paradies die Frucht des Apfelbaumes gegessen.

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