Feige
Feige

An dem Feigenbaum lernt ein Gleichnis: Wenn seine Zweige jetzt saftig werden und Blätter treiben, so wisst ihr, dass der Sommer nahe ist.

Matthäus 24,32

1. Botanik

 

Die Feige (Ficus carica L. var. domestica) gehört zur Familie der Maulbeergewächse (moraceae). Sie kommt in ganz Vorderasien und so auch in Israel vor. Die Feige ist bereits im 8. Jt. als Kulturpflanze belegt.

Der Feigenbaum ist eine strauch- oder baumförmige, milchsaftführende, zweihäusige Pflanze. Er wächst auch bei geringer Bewässerung selbst auf steinigem Gelände. Der Baum wird 3-5 m hoch, hat gefingerte, rauhe Blätter, die zu Beginn des Winters abgeworfen werden und im zeitigen Frühjahr wieder austreiben. Der Baum kann bis zu 40 Jahre alt werden und braucht etwa 6 Jahre, bis er Früchte trägt. In freier Natur ist für die Fruchtbildung die Fremdbestäubung notwendig. Es gibt männliche und weibliche Bäume, wobei der männliche Baum sowohl weibliche wie männliche Blüten aufweist, der weibliche Baum dagegen nur weibliche Blüten. Feigenbäume tragen zweimal im Jahr Früchte. Nur die Feigen weiblicher Pflanzen werden gegessen, die Feigen männlicher Bäume, die auch unter der Bezeichnung Bocksfeigenbäume (Caprifigus) bekannt sind, werden als Bocks- oder Holzfeige bezeichnet.

Neben den auf Fremdbestäubung angewiesenen Wildformen ist seit dem Altertum die Zucht von Feigenbäumen bekannt, die auch ohne Befruchtung saftige, süße Früchte hervorbringen.

 

2. Bibel - Altes Testament

 

2.1. Bezeichnung

Der Feigenbaum heißt im Alten Testament auf hebräisch תְּאֵנָה tə’enāh. Er trägt mehrfach im Jahr Früchte. Die ungenießbaren Vorfrüchte heißen פַּגִּים paggîm, die Ende Mai und im Juni zu erntenden Frühfeigen בִּכּוּרִים bikkûrîm (Hos 9,10; Mi 7,1, vgl. Hhld 2,13). Diese waren besonders begehrt. Ende August und im September schließlich kann man die Spätfeigen (hebr. תְּאֵנִים tə’enîm) ernten.

2.2. Bedeutung

Die Feige gehört zu den sieben Früchten des Landes Israel (Dtn 8,8; vgl. Num 13,23). Der Feigenbaum war in Israel neben Ölbaum und Weinstock der wichtigste Fruchtbaum und als Schattenspender wegen seiner großen Blätter beliebt (vgl. Joh 1,48-50). Gerne pflanzte man einzelne Feigenbäume in Weingärten an (Hhld 2,13).

2.3. Verwendung

Die Feige wird bereits in der Schöpfungserzählung namentlich erwähnt (1. Mos 3,6-7), ihre Blätter dienen Adam und Eva wegen ihrer Form und Größe als Kleidung. Feigen waren vor allem ein wichtiges Nahrungsmittel (vgl. dazu Neh 13,15-22) und wegen ihrer Süße hochgeschätzt (Ri 9,8ff). Man konnte sie trocknen oder zu Fladen gepresst (1Sam 25,18; 1Sam 30,12; 1Chr 12,41) aufbewahren und so für die obstlose Zeit lagern. Als Heilmittel bei Geschwüren verwendete man Pflaster von Feigen (Jes 38,21 par. 2Kön 20,7). Spr 27,18 rät, den Feigenbaum ständig zu bewachen, um selbst von seinen Früchten essen zu können. Im Hintergrund steht das bäuerliche Wissen, dass der Baum seine Früchte nicht auf einmal hervorbringt, sondern vom Juni bis zum Herbst.

2.4. Metaphorik

Von Feigen ist in der alttestamentlichen Metaphorik mehrfach die Rede. Sie stehen in der Vision von den beiden Feigenkörben als Bild für Juda bzw. seine Bewohner (Jer 24,1-10), wobei der Gegensatz von guten und schlechten Früchten übertragen wird auf die Menschen im babylonischen Exil, denen Gott sich zuwendet, bzw. den im Lande Juda verbliebenen König Zedekia und seine Anhänger, denen das göttliche Gericht angekündigt wird (vgl. ähnlich Jer 29,17).

Das Sitzen unter Weinstock und Feigenbaum steht für Wohlergehen und Frieden (1Kön 5,5; Mi 4,4; 2Kön 18,31; Sach 3,10; 1Makk 14,12). Gleiches gilt, wenn jedermann von seinem Feigenbaum essen kann (2Kön 18,31 par. Jes 36,16).

Wenn der Feigenbaum aber vernichtet wird oder unfruchtbar ist, ist das gleichbedeutend mit Unheil, Unglück und Gericht (Ps 105,33; Jes 34,4; Jer 8,13; Hos 2,14; Am 4,9; Hab 3,17). Bei der Vernichtung können Pflanzenschädlinge wie Heuschrecken (Joel 1,7.12; Am 4,9) oder auch feindliche Gruppen (Jer 5,17) eine Rolle spielen. Mit Feigen, die leicht abfallen, wenn der Baum geschüttelt wird, vergleicht Nah 3,12 die Festungen Ninives, die dem Untergang geweiht sind.

Fruchtbringende Feigenbäume dagegen stehen für Heil und einen Neuanfang (Joel 2,22)

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3. Bibel - Neues Testament

3.1. Bezeichnung

Der Feigenbaum bzw. die Feige hat die griechische Bezeichnung συκῆ sykē. Die Spätfeige heißt ὂλυνθoς olynthos (nur Offb 6,13).

3.2. Metaphorik

Ein Feigenbaum, der schon drei Jahre keine Frucht mehr trägt, dem man aber vor dem Fällen ein letztes Jahr die Chance gibt, doch noch Frucht zu bringen, verdeutlicht, dass den Menschen noch eine Chance zur Umkehr eingeräumt wird, dass die Zeit zur Umkehr aber begrenzt ist (Lk 13,6-9).

Nach Mk 11,13 sucht Jesus vergeblich Früchte an einem Feigenbaum, um seinen Hunger zu stillen (wahrscheinlich frühe Feigen im Frühjahr). Daraufhin verflucht er den Baum, der künftig keinem mehr Frucht bringen soll (Mk 11,14). Mk 11,20 beschreibt, wie die Jünger auf dem Rückweg sehe, dass dieser Baum in der Zwischenzeit verdorrt war – ein Hinweis auf das kommende Gericht.

Ebenso wie das Ausschlagen des Feigenbaums das Kommen des Sommers ankündigt, so gibt es auch Zeichen für das Nahen der Gottesherrschaft, die es zu erkennen gilt (Mk 13,28f par. Lk 21,29; Mt 24,32). Die Verfluchung des Feigenbaumes in Mt 21,19-21 ist Ausdruck eines Wunders, das das Moment des Glaubens unterstreicht.

Einem Feigenbaum, der Oliven trägt, bzw. einem Weinstock, der Feigen hervorbringt, gleicht eine Zunge, die zugleich Segen und Fluch ausspricht (Jak 3,12). Die Frage: „Sammelt man von Dornen Trauben oder von Disteln Feigen“ mit dem daraus folgenden Schluss: „An ihren Früchten werdet ihr sie erkennen“ (Mt 7,16 par Lk 6,44), formuliert eine allgemeine geistliche Regel, wonach man die innere Einstellung eines Menschen an seinem äußeren Verhalten erkennt.

Offb 6,13 vergleicht das Fallen der Sterne des Himmels auf die Erde beim Öffnen des sechsten Siegels mit Spätfeigen, die ein starker Wind vom Feigenbaum schüttelt.

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