Maulbeerbaum
Maulbeerbaum

Zachäus, ein Oberer der Zöllner stieg auf einen Maulbeerfeigenbaum, um Jesus zu sehen.

Lukas 19,2-4

1. Botanik

Der Maulbeerbaum (Morus alba L. oder Morus nigra L.) ist ein ursprünglich aus Persien stammender, mittelgroßer, laubabwerfender Baum. Er hat kleine, grünliche Blüten. Seine beerenartigen Früchte sind sauer, in vollreifem Stadium auch zuckersüß und werden zur Weiterverwendung (als Saft) meist gekocht.

Bei dem Exemplar vor der Aegidien-Kirche handelt es sich um eine weiße Maulbeere (Morus alba L.).

2. Bibel

Der Maulbeerbaum wird im Alten Testament nicht erwähnt und im Neuen Testament gesichert nur an einer Stelle. Dort sagt Jesus zu seinen Jüngern: “Wenn euer Glaube auch nur so groß wäre wie ein Senfkorn, würdet ihr zu dem Maulbeerbaum hier sagen: Heb dich samt deinen Wurzeln aus dem Boden, und verpflanz dich ins Meer! Und er würde euch gehorchen.” (Lukas 17,5-6)

In biblischer Zeit wurden fast alle Teile des Maulbeerbaumes genutzt. Das harte Holz eignet sich für Drechselarbeiten; der Bast unter der Rinde wurde zu Seilen gedreht und die Blätter dienten als Futter für Schafe. Für die Seidenraupenzucht eignen sich die Blätter des weißen Maulbeerbaumes.

 

Exkurs: Maulberfeigenbaum

Der in der Bibel hingegen deutlich häufiger erwähnte Maulbeerfeigenbaum (Ficus sycomorus) hat wegen seiner Ansprüche an ein tropisches Klima keine Chance, in unseren Breiten zu gedeihen.

Dieser Baumes erreicht eine Höhe von 10-15 m und eine Stammesdicke von 1-2 m. Seine Krone kann einen Umfang von 20-25 m haben. Die mit einer kleinen Feige vergleichbare Frucht der Sykomore ist saftreich, aber nicht so süß wie eine Feige.

In biblischer Zeit war die Sykomore in Israel vor allem in der Jordansenke und der Schefela verbreitet (vgl. 1Kön 10,27). Die feigenähnlichen Früchte wachsen in Büscheln direkt am Stamm und an den Hauptästen.

 

Die Früchte waren Nahrungsmittel der armen Bevölkerungsschicht und wurden auch an Tiere verfüttert. Damit die Maulbeerfeigen schneller reifen und genießbar werden, hat man sie mit einem besonderen Messer angeritzt. Das Ritzen der Feigen machte sie genießbar. Der Prophet Amos bezeichnet sich selbst in  Am 7,14 als „Maulbeerfeigenritzer“ (hebräisch בּוֹלֵס bôles). Er macht damit deutlich, dass er zu den einfachen, armen Leuten gehört.

Als Schattenspender wurde die Sykomore häufig an Straßen gepflanzt. Das ist auch in Lk 19,4 in der Geschichte vom Zöllner Zachäus vorausgesetzt, der wegen seiner geringen Körpergröße in Jericho auf einen Maulbeerfeigenbaum kletterte, um Jesus, der durch die Stadt zog, besser sehen zu können.

„Und er (Jesus) ging nach Jericho hinein und zog hindurch. Und siehe, da war ein Mann mit Namen Zachäus, der war ein Oberer der Zöllner und war reich. Und er begehrte, Jesus zu sehen, wer er wäre, und konnte es nicht wegen der Menge; denn er war klein von Gestalt. Und er lief voraus und stieg auf einen Maulbeerfeigenbaum, um ihn zu sehen; denn dort sollte er durchkommen. Und als Jesus an die Stelle kam, sah er auf und sprach zu ihm: Zachäus, steig eilend herunter; denn ich muss heute in deinem Haus einkehren. Und er stieg eilend herunter und nahm ihn auf mit Freuden“ (Lk 19, 1-6).

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